Psychologische Programme
fuer die Studenten
Von Bernd Fuest-Novac
Lernen in der Existenzweise des Seins.
Studenten, die an der Existenzweise des Habens orientiert sind, wird der
Inhalt nicht Bestandteil ihrer eigenen Gedankenwelt.
Inhalt der Vorlesung und Student bleiben einander fremd.
Studenten in der Existenzweise des Habens haben nur ein Ziel:
das Gelernte festzuhalten, entweder indem sie es ihrem Gedaechtnis einpraegen
oder indem sie ihre Aufzeichnungen sorgsam hueten.
Der Habentypus fuehlt sich in der Tat durch neue Ideen oder Gedanken ueber sein
Thema eher beunruhigt, denn das Neue stellt die Summe der Informationen in
Frage, die er bereits hat. Fuer einen Menschen, fuer den das Haben die Hauptform
seiner Bezogenheit zur Welt ist, sind Gedanken, die nicht leicht aufgeschrieben
und festgehalten werden koennen, furchterregend, wie alles, was waechst, sich
veraendert und sich somit der Kontrolle entzieht.
Fuer Studenten, die in der Weise des Seins zur Welt bezogen sind, hat der
Lernvorgang eine voellig andere Qualitaet.
Sie haben ueber die Thematik, mit der sich der Vortrag beschaeftigt, schon
frueher nachgedacht; es beschaeftigen sie bestimmte Fragen und Probleme.
Was sie hoeren, regt ihre eigenen Denkprozesse an, neue Fragen, neue Ideen, neue
perspektiven tauchen dabei auf und der Lernerfolg bleibt nicht aus.
Bildhafte Begriffe werden leichter gemerkt als abstrakte.
Die Guete des Lernens ist direkt proportional zur gesamten zum Lernen
aufgewendeten Zeit (Gesamtzeithypothese).
Bedeutungsaehnliche Woerter werden Gruppen zugeordnet, was die Lern-und
Gedaechtnisleistung erhoeht.
Die auftretenden Lernvorgaenge lassen sich in vier Lernphasen einteilen:die
Vorbereitungsphase, in der Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Reizunterscheidung
erfolgen, die Aneignungsphase mit der Assoziation als Verknuepfungsprozess und
nachfolgenden inneren Verarbeitungsprozessen, die Speicherungsphase mit der
Codierung der Erfahrung und deren Speicherung im Gedaechtnis und die
Erinnerungsphase, in der das gespeicherte Material abgerufen, decodiert und in
eine Reaktion umgesetzt wird.
Das angestrebte Endverhalten des Lernenden muss durch Lernziele zum Ausdruck
gebracht werden, durch die erst ein sinnvolles Curriculum ermoeglicht wird.
Lernzielbeschreibungen oder-operationalisierungen stellen das beobachtbare
Verhalten dar, das der Lernende nach Abschluss des Lernprozesses zu zeigen hat,
wie auch den Unterrichtsgegenstand sowie die Bedingungen (z.B.Hilfsmittel, Zeit)
unter denen dieses Verhalten zu zeigen ist. Darueber hinaus ist der
Beurteilungsmassstab fuer das als ausreichend geltende Verhalten anzugeben.
Interferenztheorie: Wenn wir lernen, wird in unserem Gehirn eine
Gedaechtnisspur, ein sogenantes Engramm, gebildet. Diese Gedaechtnisspur kann
durch neue Lernereignisse ueberdeckt oder geloescht werden.
Schlaeft man zwischen zwei Lernsitzungen, ist die Ueberlagerung geringer, als
wenn man sich in der Zwischenzeit verschiedenen Aktivitaeten widmet.
Ist das Lernmaterial von grober Aehnlichkeit, ist der Ueberlagerungseffekt
groesser als bei ganz verschiedenen Lerninhalten.
UEBUNG Lernen im Schlaf
Zielsetzung: Unbewusste Aufnahme und dauerhafte Speicherung beliebigen Wissens
im Tagtraum-Zustand oder Schlaf.
Wirkungen: Von einem Tontraeger kommende akustische Informationen nehmen wir im
autohypnotischen Zustand oder im REM-Schlaf unbewusst wahr, da hier ja die
auditive Empfaenglichkeit erhalten bleibt. Ueber den Hippocampus fliessen die
Informationsimpulse dann direkt ins Langzeitgedaechtnis, wo sie in Form von
Engrammen gespeichert werden.
Im normalen Wachbewusstsein stehen uns diese Informationen jederzeit zur
Verfuegung und koennen leichter 'hervorgeholt' werden als solche, die durch
'normales' Lernen gespeichert wurden.
Hilfsmittel: Tonbandgeraet oder Cassettenrecorder (nach Moeglichkeit mit Auto
Reverse)
Uebungsablauf:
Als erstes sprechen wir (wie in Uebung Audit. beschrieben) die Lehrinhalte, die
wir unbewusst aufnehmen wollen, auf einen Tontraeger.
Es spielt keine Rolle, ob es sich dabei um Fremdsprachen, ein Gedicht oder
wissenschaftliche Formeln handelt; lediglich eine Maximaldauer von 30 Minuten
sollten wir einhalten.
Wiederholungen foerdern die Engrammbildung. Je oefter wir dieselbe Information
aufnehmen, desto fester 'graebt' sie sich ins Gedaechtnis ein. Wir nehmen
deshalb den gleichen Lehrstoff mindestens 2 Mal hintereinander auf. Besitzen wir
einen Recorder mit Auto Reverse-Einrichtung (bei dem also die Cassette am Ende
automatisch in Gegenrichtung abgespielt wird), koennen wir eine
30-Minuten-Cassette beiderseitig mit dem Lehrstoff besprechen und solange
abspielen lassen, wie der Tagtraum-Zustand bzw. der Schlaf dauern soll.
Wollen wir im Tagtraum-Zustand Wissen aufnehmen, lassen wir am Anfang des Bandes
einige Minuten unbespielt, um Zeit zu haben, uns ins PSI-Bewusstsein zu
versetzen und uns folgende Eingangs-suggestion zu geben:
"Alles, was ich in den naechsten...(hier Dauer der Aufzeichnung
einfuegen)...unbewusst hoere, soll sich tief und unausloeschlich in mein
Gedaechtnis eingraben. Nachdem ich aus der Traumzeit wieder ins normale
Wachbewusstsein zurueckgekehrt bin, erinnere ich mich klar und deutlich an
alles, was ich gehoert habe. Diese Erinnerung bleibt fuer immer erhalten!"
Moechten wir dagegen im Schlaf lernen, muessen wir die Informationen durch
Autoreverse die ganze Nacht ueber laufen lassen oder aber das Einschalten des
Wiedergabegeraets mittels einer elektrischen Schaltuhr um eineinhalb Stunden
verzoegern (der REM-Schlaf tritt ja erst nach dieser Zeit ein).
Nachdem wir das Wiedergabegeraet mit oder ohne Zeitverzoegerung eingeschaltet
haben, geben wir uns die folgende Suggestion:
"Ich schlafe augenblicklich tief und fest. Alles, was ich waehrend des Schlafs
an auditiven Eindruecken aufnehme, soll fest und unausloeschlich in meinem
Gedaechtnis haften bleiben. Nach dem Erwachen...(hier koennen wir die Weckzeit
einfuegen)...erinnere ich mich klar und deutlich an alles, was ich gehoert habe.
Diese Erinnerung bleibt fuer alle Zeiten erhalten!"
© Cosmopolitan University. All rights reserved. Worldwide.